Microgreenbox: Haute-Cuisine-Hype trifft Start-up

(Quelle: Neues Volksblatt/Christoph Steiner)


Wie es halt so passiert, wer kennt das nicht: Man erzählt im Fitnesscenter dem Spitzenkoch seines Vertrauens von den Plänen, etwas zu bauen, um Chilis und andere Kräuter ohne viel Aufwand zu züchten. Dabei kommt man auch auf den neuen Trend der Microgreens zu sprechen und dass genau hierfür eine solche Konstruktion gebraucht werden würde. So geschehen ist das vor rund einem Jahr bei Markus Riegler, es war der Startschuss zu einem Innovationsprozess, der mit der Markteinführung der Microgreenbox in Kürze seinen krönenenden Abschluss finden soll.

Kurzgewachsenes Pflänzchen mit intensivem Geschmack

Was Microgreens sind, das mussten Riegler und sein Projektpartner Alexander Polivka erst recherchieren, aber dann wussten sie: Microgreens sind ganz normales Gemüse und Kräuter, nur jünger geerntet und mit sehr intensivem  Geschmack. Und sind derzeit der Renner in der gehobenen Gastronomie, wie die Nachfrage bei rund 150 Küchen aus den Gourmet-Führern Gault Millau und Michelin den beiden versicherte. Das Problem in den Küchen war auch schnell entdeckt: Es gibt nur einen großen Microgreens-Lieferanten in Europa in den Niederlanden, die Köche sind auf dessen Angebote angewiesen, auch sind die Lieferstrecken lang, worunter mitunter die Qualität leidet. Bei teilweise rund
200 Euro pro Woche nur für die Kräuter, die man über die Speisen streut, wollen viele Köche dann doch mehr  Autonomie.

Eigen-Konstruktion samt Boku-Klimadesign

Also begannen die beiden Mühlviertler, die sich schon seit Internatstagen an der HTL Steyr kennen, die Konstruktion zu planen, für das optimale Klima in den Boxen holte man sich mit der Boku Wien einen kompetenten  Forschungspartner ins Boot.

Herausgekommen ist die derzeit wohl unkomplizierteste Form der gehobenen Anpflanzung: Man schiebt den Nährboden in die Box, wählt das jeweilige Programm für die eingesetzten Samen und die Box regelt alle wichtigen Parameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Dampfdruckdifferenz selbst und schafft so das optimale Mikoklimafür das bestmögliche Gedeihen. Die Möglichkeit, gespeicherte Parameter für diverse Pflanzen über  Smartphone-App zu archivieren, lassen auch Raum für Experimente und Feinabstimmungen.

Einzigartig in Europa, der US-Konkurrenz überlegen

Laut Aussagen der Unternehmer wartet man in der Gastroszene auf den Markteintritt der Microgreenbox. Daher will man die Nachfrage auch so schnell wie möglich bedienen. Bis Mitte 2017 will man mit den Boxen auf den Markt gehen, die Patentverfahren sind bereits im Gange. Doch noch läuft das  Unternehmen im Zwei-Mann-Betrieb. „Wir machen noch alles selbst, wenn sich ein Investor findet, kann es natürlich auch schneller gehen“, so Riegler.

Österreich, Deutschland und die Schweiz zum Start

In der ersten Welle richtet sich das Produkt vor allem an Haubenköche und die gehobene  Gastronomie in Österreich, Deutschland und der Schweiz. In weiterer Folge will man mit kleineren Varianten auch den Privatsektor anvisieren. Laut eigenen Aussagen ist man in  Europa in diesem Segment derzeit noch konkurrenzlos. Einzig ein Mitbewerber aus den USA probiert hier Fuß zu fassen. Gegenüber diesem sei man aber technologisch im Vorteil, so Riegler: Den die  Greenbox braucht weder Wasser- noch Kanalanschluss, sie wird einfach ans Stromnetz angesteckt. Auch sei man von der Verbauung flexibler, man könne beliebig skalieren und so die Passform ändern, erklärt der Firmengründer. Zudem
sei man gegenüber dem 250 Kilo-Gerät aus den USA mit angepeilten 50 Kilo und kleinerer Form im Vorteil, ist man bei den Microgreenbox- Erfindern überzeugt. Mitbegründer Alexander Polivka ist vor allem auch für die Technik-Lösungen zuständig. In seinem Job als Fitness-Trainer stieß er auf die gewinnbringende Idee: Markus Riegler

Die Microgreenbox sorgt für ein optimales Mikroklima für die Jungpflanzen und soll die Gastronomie erobern. (Foto: Microgreenbox)

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