Knochentransplantat statt Metallschraube

[Quelle:futurezone]

Bei Knochenverletzungen kommen häufig Metallschrauben zum Einsatz, um Knochenfragmente wieder miteinander zu verbinden. Sind sie verheilt, müssen die Schrauben in einer neuerlichen Operation entfernt werden. Das ist vor allem für Patienten unangenehm, birgt zusätzliche Risiken belastet aber auch das Gesundheitssystem. Das Start-up Surgebright des Orthopäden Klaus Pastl hat gemeinsam mit den Instituten für Biomechanik und Feinstrukturforschung der TU Graz ein humanes Knochentransplantat entwickelt, das nach solchen Eingriffen im Körper verbleiben kann und den Patienten eine zweite Operation zur Metallentfernung erspart.

2007 meldete Pastl die ersten Patente für das aus menschlichem Knochengewebe gewonnene Knochenschraubentransplantat an. Anfang 2016 gründete er gemeinsam mit Stefan Doboczky in Lichtenberg bei Linz das Start-up, das das geschützte SharkScrew-Transplantat vermarktet. In Österreich wurde das Implantat bereits zugelassen und kommt seit November 2016 in 14 Kliniken in der Hand-, Fuß- und Kniechirurgie zum Einsatz.

Das Transplantat sei komplett sterilisiert, Abstoßungsreaktionen seien keine bekannt, sagt Lukas Pastl, der Sohn des Orthopäden, der gemeinsam mit seinem Vater die Geschäfte des Start-ups führt. Es werde vom Körper als körpereigen erkannt, kann schnell einwachsen und werde vom Körper so umgewandelt, wie er es braucht. Bereits nach sechs Wochen sei das Transplantat von Zellen und körpereigenem Gewebe durchwachsen: "Irgendwann sieht man es dann im Röntgen gar nicht mehr."

Aufwendiges Zulassungsverfahren

Wie alle MedTech-Start-ups hatte auch Surgebright aufwendige Zulassungsverfahren zu durchlaufen. Mittlerweile ist das junge Unternehmen eine vom Gesundheitsministerium zertifizierte Gewebebank. Den Fokus will Surgebright vorerst auf Österreich, Deutschland und die Schweiz legen. Die Zulassung für die Schweiz wurde bereits erteilt, die für Deutschland beantragt. Da es sich bei dem Transplantat um menschliches Gewebe handle, erfolge die Zertifizierung nicht EU-weit, sondern müsse in jedem Land separat durchlaufen werden.

"Die Regulatorik ist in jedem Land was Gewebe betrifft anders, natürlich gibt es dennoch Ähnlichkeiten und Parallelen", sagt Pastl.

Internationalisierung

Nach dem DACH-Raum will das Start-up europaweit expandieren und danach auch Länder außerhalb Europas in Angriff nehmen. Zur Vorbereitung der weiteren Internationalisierung führt Surgebright im Herbst gemeinsam mit dem "Institute for International Business" der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien eine Studie durch. "Wir müssen ins Detail gehen, um den Internationalisierungsplan festzulegen, erläutert Pastl. In China brauche man etwa ebenso wie in Italien regionale Partner, um die Zulassung als Humantransplant zu erhalten.

In Österreich vertreibt das Start-up seine Transplantate selbst. Um Vertriebs-Know-how und Feedback zum Produkt zu erhalten, wie Pastl sagt. In anderen Ländern wolle man Vertriebspartner suchen. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der FFG (Forschungsförderungsgesellschaft) wird an Verbesserungen des Transplantats gearbeitet und nach weiteren Anwendungen gesucht. Das gehe bis zu patientenspezifischen 3D-Modellen.

Finanzierungsrunde

Nach seiner Gründung im vergangenen Jahr wurde das Start-up in das oberösterreichische Inkubatorenprogramm tech2b aufgenommen. "Das war und ist für uns extrem wichtig", sagt Pastl. Daneben hat Surgebright unter anderem auch Förderungen der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws) erhalten. Als Investor konnte das Start-up die oberösterreichische Unternehmensbeteiligungsgesellschaft KGG UBG gewinnen. "Ein Teil ist auch bankfinanziert", erzählt Pastl. Derzeit sei man dabei, die nächste Finanzierungsrunde aufzustellen: "Wir sind sehr zuversichtlich."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws (austria wirtschaftsservice).

Knochentransplantat von Surgebright; (Foto: Surgebright 2017)

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